Klassischerweise führen Menschen beim Figging ein geschältes und entsprechend geformtes Stück Ingwer in den Anus ein.
Manche experimentieren auch mit einer vaginalen Anwendung oder reiben erogene Zonen vorsichtig mit Ingwer ein. Gerade bei Schleimhäuten braucht es jedoch besondere Vorsicht. Denn natürlich bedeutet keinesfalls automatisch sanft, hypoallergen oder ungefährlich.
Was ist Figging und wie entsteht der Reiz?
Beim Figging treffen die Scharfstoffe der Ingwerknolle auf empfindliche Haut oder Schleimhäute. Frischer Ingwer enthält unter anderem Gingerole und Shogaole. Gingerol kann den Rezeptor aktivieren, der an der Wahrnehmung von Hitze und Schmerz beteiligt ist.
Viele BDSM-Fans empfinden genau diese Reaktion als reizvoll. Das Gefühl unterscheidet sich klar von einer klassischen Massage oder einem gewöhnlichen Wärmegel. Die Wirkung kann sich langsam aufbauen, an Intensität gewinnen und auch nach dem Entfernen des Ingwers noch eine Weile anhalten.
Druck, Reibung und Muskelanspannung können das Brennen zusätzlich verstärken. Beim analen Figging schnitzen manche Menschen den Ingwer in eine längliche Form mit einem breiteren Ende. Dieses Ende soll verhindern, dass das Stück vollständig in den Körper rutscht. Eine passende Form garantiert jedoch keine sichere Anwendung und ersetzt weder Erfahrung noch Vorsicht.
Zudem fehlen bisher verlässliche klinische Untersuchungen zur intimen Anwendung von frischem Ingwer. Niemand sollte deshalb davon ausgehen, dass der Körper Ingwer an jeder Stelle problemlos verträgt.
Zwischen Lustschmerz und Kontrollverlust
Viele Menschen zählen Figging zu den sogenannten Tunnelspielen. Dieser Begriff beschreibt Praktiken, deren körperliche Wirkung nach dem Start nicht sofort endet. Auch wenn ihr den Ingwer entfernt oder die Haut abwascht, können Rückstände der Scharfstoffe weiterhin Brennen verursachen.
Für manche Personen gehört dieser zeitlich begrenzte Kontrollverlust zum erotischen Reiz. Gleichzeitig birgt er ein erhebliches Risiko: Was sich anfangs aufregend und angenehm intensiv anfühlt, kann innerhalb kurzer Zeit zu stark werden.
Praktiziert Figging deshalb ausschließlich mit klarer und freiwilliger Zustimmung. Ein schnelles „Ja“ vor dem Spiel reicht bei intensiveren BDSM-Praktiken nicht aus. Sprecht vorher ausführlich darüber, was ihr plant und wo eure Grenzen liegen.
Klärt dabei insbesondere folgende Fragen:
- Welche Körperstellen dürfen mit Ingwer in Kontakt kommen?
- Welche Bereiche bleiben grundsätzlich tabu?
- Wie kommuniziert ihr, wenn das Brennen zu intensiv wird?
- Bestehen Allergien, Hautreizungen oder Verletzungen?
- Was tut ihr, wenn eine Person das Spiel abbrechen möchte?
Ein Safeword bleibt auch beim Figging sinnvoll. Es kann die Wirkung der Scharfstoffe zwar nicht sofort stoppen, beendet aber jede weitere Stimulation. Alle Beteiligten wissen dann, dass sie unmittelbar reagieren müssen.
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Langsam statt feurig starten
Man braucht keine jahrelange BDSM-Erfahrung, um sich mit Figging auseinanderzusetzen. Unerfahrenheit sollte allerdings zu besonderer Zurückhaltung motivieren. Die Behauptung, Ingwer sei aufgrund seiner Natürlichkeit automatisch hypoallergen und könne die Haut nicht verletzen, stimmt so nicht.
Pflanzliche Inhaltsstoffe können die Haut reizen und allergische Reaktionen auslösen. Scharfe Kanten oder raue Oberflächen können zudem kleine mechanische Verletzungen verursachen. Eine irritative Kontaktreaktion entsteht beispielsweise, wenn eine Substanz die natürliche Schutzbarriere der Haut angreift.
Man sollte frischen Ingwer deshalb niemals auf entzündete, bereits gereizte, frisch rasierte oder verletzte Haut auftragen. Vulva, Vagina, Eichel, Harnröhrenöffnung, Anus und Rektum reagieren besonders empfindlich. Dort kann das Brennen wesentlich stärker ausfallen als auf robuster Haut.
Wer das Wärmegefühl von Ingwer ausprobieren möchte, beginnt am besten äußerlich und an einer kleinen, weniger sensiblen Körperstelle.
Bei starken Schmerzen, deutlichen Schwellungen, Blutungen oder anhaltenden Beschwerden sollte man sofort stoppen. Hält die Reizung länger an oder verschlimmert sie sich, ist medizinischer Rat umgehend einzuholen.
Figging und andere Spielideen
Nicht jedes Spiel mit Ingwer muss direkt mit Penetration beginnen. Wer neugierig auf scharfe Reize ist, kann sich dem Thema wesentlich vorsichtiger nähern. Anfangs kann der Duft, Geschmack oder das sanfte Wärmegefühl auf intakter Haut erkundet werden.
Besondere Vorsicht gilt bei der Übertragung von Ingwerresten. Finger, Mund oder Toys können die Scharfstoffe unbemerkt auf Augen, Genitalien oder kleine Hautverletzungen bringen.
Kondome und Lecktücher können den direkten Kontakt mit reizenden Rückständen reduzieren. Sie machen ein intensives Ingwerspiel jedoch nicht automatisch sicher. Ölhaltige Produkte können außerdem Latex beschädigen. Daher sollte vorab geprüft werden, ob die verwendeten Produkte und Barrieremethoden miteinander verträglich sind.
Außerdem sollte Ingwer niemals gleichzeitig an verschiedenen Körperöffnungen verwendet werden. Damit verhindert man, dass Bakterien von einer Körperregion in eine andere gelangen.
Woher kommt Figging? Die ungewöhnliche Geschichte
Der Begriff Figging steht vermutlich in Verbindung mit dem älteren englischen Ausdruck „feaguing“. Historische Wörterbücher beschreiben damit eine Praktik, bei der Menschen Pferden Ingwer rektal einführten. Die Tiere reagierten auf das Brennen, bewegten sich nervöser und hielten ihren Schweif höher. Händler wollten ältere Pferde dadurch angeblich jünger und lebhafter erscheinen lassen.
Später griffen BDSM-Erzählungen dieses Prinzip auf und übertrugen es auf sexuelle sowie körperliche Bestrafungsspiele. Heute beschreibt Figging ein Spiel mit Hitze, Brennen, Macht und freiwilligem Lustschmerz.


